Was Pixabay mir bei der Suche zum Schlagwort „nichts“ bringt, erstaunt mich. Viele Waldmotive, Blumen, eine Amsel. Ein Eichhörnchen, eine Seerose – Dinge und Wesen, die für mich definitiv nichts mit „nichts“ zu tun haben. Aber sie sollen wahrscheinlich Stille und Ruhe symbolisieren. Das Rennen um das Titelbild für diesen Beitrag macht daher ein Pic von Unsplash …
Vor Kurzem habe ich beim Ausmisten zwei uralte Gedichte aus meiner Feder gefunden. Nicht ganz ausgereift, aber aufbereitenswert.
Anbei kommt das erste, ein Schreiberguss aus dem Jahr 2002 – den man heute wohl als Lobgesang auf die Achtsamkeit bezeichnen würde (nachbearbeitet):
Nichts
Wenn ich nichts tue, tue ich am meisten.
Meine Sinne sind hellwach!
Ich erkenne, was sonst an meinem Alltagsauge vorbeizieht; geschluckt von den eigenen Gedanken.
Hinter dem Fenster: Blauer Himmel, Wolken, vorbeifahrende Autos. Menschen.
Ich spüre die Sonne, die durch die Scheiben fällt, intensiver.
Der Duft des Blumenstraußes am Schreibtisch strömt, plötzlich intensiv, in meine Nase.
Und auf seltsame Weise durch meinen ganzen Körper: Die edle Süße der Rosen, das zarte Bitter des Schleierkrauts.
Ich lade mich mit neuer Energie auf – Lebensenergie.
Meine Gedanken überschreiten Grenzen; ich lasse sie endlich einmal fließen.
Und sehe Dinge klarer, über die ich schon den ganzen Tag nebenbei nachdachte!
Wie klares Wasser, durch das ich hindurchschauen kann:
Ein Bergbach des Geistes, der mir einen Blick auf gute und schlechte Erkenntnisse gewährt – wenn ich mich nur hinzuschauen traue.
Nichts zu tun macht die Gedanken frei!
Und deshalb haben manche Menschen Angst davor.
Angst, sich hinzusetzen und mit ihren Gedanken konfrontiert zu werden.
Angst, nichts verdrängen zu können, sondern alles sehen zu müssen, zu können, zu dürfen.
Nichts zu tun beflügelt die Sinne.
Es kann Freude hervorrufen – aber zunächst auch Depression.
Manche Menschen verlernen es, nichts zu tun.
Und so verlernen sie auch, das Leben zu sehen.