Mit folgender Geschichte habe ich an einer Ausschreibung des Verlags Roloff teilgenommen (Thema „Umbrüche“). Der Kelch ging zwar an mir vorüber, dennoch hat es wieder Spaß gemacht, zu schreiben 🙂

Die andere

Plötzlich ist sie da. Alles war gerade noch gut und völlig unbeschwert, doch jetzt vergleiche ich mich. Die Grußkarte mit ihrem Foto an deiner Pinnwand ist schwerlich zu übersehen – und jetzt, durch deinen nebenbei hingeworfenen Kommentar, weiß ich, dass es keine Bekannte oder Verwandte ist. Nicht, wie ich zunächst gehofft hatte, als ich heute erstmals in deiner Wohnung war und sie sah, während mein Blick neugierig durch den Raum schweifte. Wieso hängt die Karte da? Bin ich versucht zu fragen. Was bedeutet sie dir noch?

Kaum zu Hause, starte ich den PC und öffne Facebook, dein Profil. Ich weiß, ich sollte das nicht tun – doch wir alle vergleichen uns im Endeffekt mindestens einmal, um zu wissen, wo wir stehen. Sieht sie wirklich so aus wie auf dem Foto? Ich hoffe von Herzen, dass sie nicht in den Sozialen Medien ist, doch täusche mich natürlich. Als ich das erste Bild in deinem Profil öffne, ist darunter ein „Gefällt mir“ von ihr, sodass ich mühelos in ihr Profil überwechseln kann. Nicht gut. Doch es zieht mich magisch an. Ich werde keine Ruhe finden, ehe ich mich nicht „sicher“ fühlen kann.

Wie ihr euch denken könnt, finde ich nun erst recht keine. Auf mich gibt es keinen Hinweis in deinem Profil, nichts, das auf meine Existenz hindeutet und die Tatsache, dass ich in deinem Leben bin. Kein Wunder, noch sind wir ja nicht zusammen. Dennoch trifft es mich – immerhin hatten wir schon einige schöne Erlebnisse miteinander.

Und was will sie noch? Was soll das? Meine Exfreunde sind alle sowas von ex, dass es ex-iger nicht geht … wieso muss ich mich plötzlich mit dieser neuen, dummen Tatsache herumschlagen, dass es bei dir anscheinend nicht so ist? Dass ich nun in dem anstrengenden Modus bin, mich vergleichen zu müssen? Es wird unser gesamtes Verhältnis belasten, wenn es vielleicht so ist, dass du dich noch mit ihr triffst.

Ich wollte dich doch völlig unbeschwert kennenlernen und mich nur darauf konzentrieren! Und nun, ganz plötzlich, ist da einen Nebenbuhlerin. Wahrscheinlich ist sie das gar nicht mal, war es nie. Doch Ex-Kontakt fühlt sich für den Partner fast immer mies an. In ihrem Profil gibt es mehrere Fotos. Okay, hübsch ist sie definitiv nicht, das beruhigt mich schon mal. Dennoch ist sie ein Störenfried für mich am peripheren Rand unserer keimenden Beziehung. Ich bin nicht die Person à la „Hey, lass uns doch heute zu viert was machen – mit meinem Exfreund und seiner Neuen“. Das macht doch keinen Spaß!

Ich bin mit niemandem im wirklich Bösen auseinander gegangen, nur im Unguten und mit Tränen, wie es eben immer so ist. Trennungen machen ja nie Spaß. Kontakt habe ich mit keinem, jeder muss schließlich wieder nach vorne sehen können – und ich kann das sonst nicht.

Wieso nehme ich das so schlimm? Falls ihr euch tatsächlich noch trefft, werde ich bei jedem dieser Dates daheim sitzen und äußerst mies drauf sein. Dann, später, wenn ich mit dir telefoniere, tue ich garantiert so, als wäre nichts, weil ich ja nicht die Zicke sein will. Tue es mit schmerzender Kehle.

Ich scrolle weiter und entdecke bei ihr Fotos von euch beiden, was mir einen Stich ins Herz versetzt. Und die Verlinkungen hast sogar du noch in deinem Profil behalten, genauso wie das „Event“ des Beginns eurer Beziehung in deinem Newsfeed. Soll ich zum Jahrestag etwa Blumen schicken? In dem Moment hasse ich all das. Zu viel Info – die ich nicht will.

Für manche nur eine unbedeutende Kleinigkeit, zerbricht für mich das Wissen, dass sie noch da ist, aber meine ruhige Gedankenwelt, wirft das Gedankenkarussell an, macht mich ab jetzt angespannt.

Doch ein paar Tage später, als wir gerade auswärts essen und dein Handy piept, schaust du kurz darauf, meinst: „Ach, meine Ex hat mal wieder Probleme. Ich ruf sie morgen an.“ Und ich …
nicke mit verkrampftem Kiefer, lächle, obwohl mir Herz und Kehle schmerzen, und sage: „Das Essen hier ist echt lecker. Ich glaub, ich bestell mir noch was!“